Das langwellige Ende des elektromagnetischen Spektrums oberhalb von
1mm Wellenlänge (Frequenz kleiner 300 GHz) wird von Radiowellen belegt.
Drei wesentliche Eigenschaften dieser Strahlung lassen sich aus der wesentlich
größeren Wellenlänge im Vergleich zu den Lichtwellen abschätzen:
a) Die Winkelauflösung wird durch das Verhältnis von Instrumentdurchmesser
D [m] und der Wellenlänge Lamda [m] bestimmt. Im Radiobereich
nimmt man die Halbwertsbreite der Antennenkeule, die sehr gut durch eine
Gaussverteilung angenähert wird, als Maß der Auflösung;
es gilt:
(1) Halbwertsbreite
= 4300 Lamda/D
Beispielsweise hat das 100-m Teleskop in Effelsberg bei der Wellenlänge
6 cm eine Antennenkeule mit der Halbwertsbreite 2',6.
b)Die Energie pro Photon ist entsprechend der Quantentheorie um die
Größenordnung schwächer , um die die Radiowellen länger
als die des Lichts sind. Entsprechend ist die Einheit des Strahlungsflusses,
nach dem Begründer der Radioastronomie Jansky (Jy) benannt und auf
typische Radioquellen abgestimmt , extrem klein:
(2) 1 Jy = 10 hoch-26 Wm hoch-2 Hz hoch-1
Zur Veranschaulichung; Das Radioteleskop in Effelsberg
mit seiner sammelnden Oberfläche von 7854 m² und einer Empfangsbandbreite
von 500 MHz empfängt von solcher typischen Quelle eine Strahlungsleistung
geringer als 10 hoch -12 Watt! Um wie viele Größenordnungen
die empfangene Strahlungsleistung eines nahen Radar oder Rundfunksenders
größer ist, kann man sich leicht aus der Sendeleistung und der
Entfernung ausrechnen. Offensichtlich loht es sich nicht , in Wellenlängenbereichen
mit nahen Sendern Radioastronomie zu betreiben.
c) Aus dem Verhältnis von der Größe eines Streupartikels
zur Wellenlänge kann man abschätzen, ob und wie stark eine Streuung
eintritt. Die Erfahrung zeigt, daß die interstellaren Staubteilchen
so klein sind, daß alle Radiowellen sie ungestört durchdringen,
Regentropfen und Hagelkörner im mm-Wellenbereich dagegen (Partikelgröße
vergleichbar zur Wellenlänge) Mie-Streuung und Dämpfung verursachen
und im Zentimeterwellenbereich (Partikelgröße wesentlich kleiner
als die Wellenlänge) Rayleigh-Streuung und vernachlässigbare
Dämpfung bewirken. Regen-und Eiswolken erzeugen Streustrahlung, die
in der Eigenstrahlung der Erdoberfläche ihren Ursprung hat. Für
längere Radiowellen sind die Regentropfen so vernachlässigbar
klein im Verhältnis zur Wellenlänge, daß die Rayleigh-Streuung
vernachlässigbar ist.
Als Ursache der kontinuierlichen Radiostrahlung kommen hauptsächlich
drei Mechanismen in Frage: die Strahlung eines schwarzen Körpers,
die thermische Strahlung eines ionisierten Gases und die nichtthermische
Synchrotronstrahlung.
Thermische Strahlung
Die Eigenstrahlung eines idealen, schwarzen Körpers wird im Radiobereich
durch die Rayleigh-Jeans-Näherung beschrieben. Für die Flächenhelligkeit
gilt
(3) B= 2kT Lamda hoch-2 [Wm hoch-2
rad hoch -2 Hzhoch-1]
mit der Boltzmann-Konstanten k=1,38*10 hoch-23 [JK hoch-1] und der
Strahlungstemperatur T. Durch Integration der Helligkeit über den
Raumwinkel der Quelleerhält man den Strahlungsfluß. Ist die
Strahlungstemperatur über die Quelle konstant, so vereinfacht sich
die Beziehung zu
(4) S= 2kT Lamda hoch-2 Omega[Jy]
wobei Omega der Raumwinkel der Quelle ist. Für kleine Winkel gilt:
Omega=pi*R², wobei R der Radius der Quelle in Radian ist. Der Strahlungsfluß
der Venus beträgt bei einer Frequenz von 43 GHz, dem scheinbaren Radius
der Planetenscheibe von 8''.17 und der Strahlungstemperatur von 405 K beispielsweise
114 Jy mit einem Raumwinkel von 4,93*10 hoch-9. Wie nach Gleichung (4)
zu erwarten, ist die Eigenstrahlung der meisten Körper des Sonnensystems
proportional zum Quadrat der Frequenz, siehe Abbildung
.
Der Zusammen von Strahlungstemperatur und Strahlungsfluß gilt
natürlich nur für den Idealfall der schwarzen Strahlung; inzwischen
ist es üblich, Gleichung (4) als Definition einer äquivalenten
Strahlungstemperatur zu benutzen. Vielfach überlagern sich Beiträge
von verschiedenen Quellen, so daß Einzeleinflüsse und die jeder
Quelle zugeordneten Raumwinkel nicht trennbar sind. Dann benutzt man die
die über die Hauptkeule der Antenne gemittelte äquivalente Strahlungstemperatur
T strich, diesem Wert entspricht formal ein Strahlungsfluß pro Hauptkeule.
Wie realisiert man diese Flächenhelligkeits- oder Strahlungsflußskala?
H.Nyquist hatte um 1928 aufgrund thermodynamischer Überlegungen gefunden,
daß ein elektrischer, ohmscher Widerstand der Temperatur T dieselbe
Rauschleistung abgibt, wie eine Antenne empfangen würde, die in einem
schwarzen Hohlraum derselben Temperatur aufgestellt wäre. Zur Eichung
wird deshalb der Empfänger mit einem Widerstandabgeschlossen, den
man auf verschiedene Temperaturen T aufheizt. Den so gefundenen Zusammenhang
zwischen T und der Rauschspannung des Empfängers kann man zu kleineren
Werten, in Bereich der radioastronomischen Beobachtung, extrapolieren.
Neuerdings erfolg die thermische Eichung oft dadurch, daß das
Eingangshorn des Empfängers von einem Metallgefäß umgeben
wird, in dem Absorbermaterial auf die Temperatur von Flüssiggas (z.B:
Stickstoff, Argon, Helium) gekühlt ist. Der gekühlte Absorber
macht das Metallgefäß zu einem schwarzen Hohlraum mit der Strahlungstemperatur
des siedenden Gases. Da die Verdampfungstemperaturen der oben genannten
Gase sehr niedrig sind, ist nur eine geringe Expolation der Eichung notwendig.
In dem schwarzen Hohlraum gilt: Ta=Tb.
Häufig ist die Quelle viel größer als die Antennenkeule,
dann gilt:
Ta=Nb Tb;
dabei ist Nb der Hauptkeulenwirkungsgrad. Ein typischer Zahlenwert
dafür ist etwa 75%.
In der Nähe früher Sterne werden Wasserstoffwolken fast vollständig
ionisiert, das heißt, die energiereichen UV-Photonen lösen die
Elektronen aus den Wasserstoffatomen. Wenn nun freie Elektronen an Protonen
vorbeigehen, werden sie in deren elektrischen Feldern abgebremst; dabei
senden sie Coulomb-Bremsstrahlung aus. Da die Elektronen vor und nach der
Abbremsung (Stoß) ungebunden und nicht auf bestimmte Energieniveaus
festgelegt sind, nennt man diese kontinuierliche Strahlung auch frei-frei-Strahlung.